Der Einsatz von Wasch- und Reinigungsmitteln sowie von Isopropanol ist im Offsetdruck technisch unverzichtbar. Gleichzeitig zählen diese Stoffe aufgrund ihrer physikalisch-chemischen Eigenschaften zu den potenziell sicherheitsrelevanten Betriebsmitteln. Brand- und Explosionsschutz sind daher integrale Bestandteile moderner Druckereisicherheit. In der fachlichen Bewertung zeigt sich jedoch, dass bei sachgerechter Auswahl der Produkte, normgerechtem Anlagenbetrieb und Einhaltung branchenspezifischer Vorgaben das Risiko beherrschbar bleibt. Maßgeblich ist dabei die Unterscheidung zwischen konventionellen Waschmitteln mit erhöhtem Flammpunkt, den besonderen Rahmenbedingungen im UV-Druck sowie dem Einsatz von Isopropanol im Feuchtwasser.
Wasch- und Reinigungsmittel im Offsetdruck
Geprüfte und zugelassene Wasch- und Reinigungsmittel, die den Anforderungen der Brancheninitiative entsprechen, weisen in der Regel Flammpunkte von über 55 °C auf. Damit sind sie unter normalen Betriebsbedingungen nicht leichtentzündlich. Sowohl beim manuellen Waschen als auch beim Einsatz automatischer Waschanlagen ist bei fehlerfreiem Betrieb nicht mit einem relevanten Brand- oder Explosionsrisiko zu rechnen. Ein wesentlicher Sicherheitsaspekt liegt in der weitgehenden Vermeidung von Nebelbildung, da sich dadurch die Konzentration brennbarer Dämpfe im Maschinenumfeld erheblich reduziert.
Vor diesem Hintergrund muss im Normalbetrieb nicht von der Bildung einer gefährlichen explosionsfähigen Atmosphäre ausgegangen werden. Dies gilt insbesondere dann, wenn ausschließlich in Datenbanken erfasste Wasch- und Reinigungsmittel eingesetzt werden, deren Eigenschaften geprüft und dokumentiert sind. Die systematische Auswahl solcher Produkte stellt eine grundlegende Voraussetzung für einen wirksamen vorbeugenden Brandschutz dar.
Fakt 1: Geprüfte Sicherheit durch hohen Flammpunkt
Der Einsatz von Wasch- und Reinigungsmitteln mit einem Flammpunkt über 55 °C führt dazu, dass unter üblichen Betriebsbedingungen keine zündfähigen Dampf-Luft-Gemische entstehen. Damit ist das Brand- und Explosionsrisiko im Offsetdruck signifikant reduziert, sofern Anlagen technisch einwandfrei betrieben werden.
Besonderheiten beim Einsatz im UV-Druck
Eine differenzierte Betrachtung ist beim Einsatz von Waschmitteln im UV-härtenden Offsetdruck erforderlich. Hier ergeben sich zusätzliche Risiken aus der räumlichen Nähe zwischen automatischer Waschanlage und UV-Trockner. Insbesondere bei parallelem Betrieb können Lösemitteldämpfe in Bereiche gelangen, in denen sehr hohe Oberflächentemperaturen herrschen. UV-Lampen erreichen Temperaturen von bis zu 900 °C und stellen damit potenzielle Zündquellen dar.
Beim Gummituchwaschen besteht die Gefahr, dass sich Lösemitteldämpfe im Maschinenbauraum verteilen und in den Trocknerbereich eingetragen werden. Um eine explosionsfähige Atmosphäre sicher auszuschließen, sind organisatorische und technische Maßnahmen erforderlich. Dazu zählt das vollständige Abschalten des Trocknersystems vor Beginn des Waschvorgangs, gefolgt von einer definierten Abkühlphase. Während und nach dem Waschzyklus ist eine gezielte Absaugung der lösemittelhaltigen Luft notwendig, bevor der Trockner wieder in Betrieb genommen wird.
Moderne UV-Drucksysteme ermöglichen durch fortschrittliche Sicherheitskonzepte eine deutliche Verkürzung dieser Prozesszeiten. Voraussetzung dafür sind unter anderem eine geregelte Unterdruckführung im Abluftsystem, eine kontinuierliche Überwachung des Unterdrucks am UV-Trockner sowie ein permanenter Luftaustausch im Maschinenbauraum. Zusätzlich müssen konstruktive Maßnahmen sicherstellen, dass keine Totzonen entstehen, in denen sich Lösemitteldämpfe anreichern können.

Fakt 2: UV-Trockner als kritische Zündquelle
Die hohen Oberflächentemperaturen von UV-Lampen bis zu 900 °C machen den UV-Druck besonders sicherheitsrelevant. Ohne geeignete Absaug- und Abschaltkonzepte kann bereits eine geringe Anreicherung von Lösemitteldämpfen zur Entstehung einer explosionsfähigen Atmosphäre führen.
Isopropanol als sicherheitsrelevanter Stoff
Isopropanol spielt im Offsetdruck vor allem als Zusatz im Feuchtwasser eine zentrale Rolle. Reines Isopropanol besitzt einen Flammpunkt von lediglich 12 °C und ist damit leichtentzündlich. Bereits bei Raumtemperatur können explosionsfähige Dampf-Luft-Gemische entstehen. Das sicherheitstechnische Risiko hängt jedoch entscheidend von der Konzentration im Wasser ab.
Mit zunehmender Verdünnung steigt der Flammpunkt deutlich an. Feuchtwasser mit einem Isopropanolanteil von 10 % weist beispielsweise einen Flammpunkt von etwa 39 °C auf. Oberhalb dieser Konzentration sind Maßnahmen des Explosionsschutzes erforderlich. Aus diesem Grund wird aus sicherheitstechnischer Sicht dringend empfohlen, den Isopropanolanteil im Feuchtmittel dauerhaft unterhalb von 10 % zu halten.
Messungen der Berufsgenossenschaft bestätigen, dass bei Einhaltung dieser Grenze im Normalbetrieb weder im Bereich der Feuchtwerke noch im Druckwerksumfeld von Bogen- und Rollenoffsetmaschinen mit einer gefährlichen explosionsfähigen Atmosphäre zu rechnen ist. Die Reduktion des Alkoholgehalts stellt damit einen zentralen Baustein präventiver Sicherheitskonzepte dar.
Fakt 3: Konzentration entscheidet über das Risiko
Bei einem Isopropanolgehalt unter 10 % im Feuchtwasser liegt der Flammpunkt deutlich über der Raumtemperatur. Messergebnisse zeigen, dass unter diesen Bedingungen keine explosionsfähige Atmosphäre in gefährlicher Menge entsteht.
Feuchtwasseraufbereitungsgeräte und Lagerung
Besondere Aufmerksamkeit erfordert die Auslegung und Aufstellung von Feuchtwasseraufbereitungsgeräten. Befinden sich die Vorratsbehälter im Inneren der Geräte, ist der unmittelbare Umgebungsbereich abhängig von Abdichtungsqualität und Lüftungssituation zu bewerten. Die Risikoanalyse erfolgt dabei in Abstimmung mit dem Gerätehersteller.
Werden Alkoholvorratsbehälter unterhalb des Feuchtmitteltanks angeordnet und erfolgt die Dosierung ausschließlich durch Ansaugen mittels Pumpe, ist bei bestimmungsgemäßem Betrieb nicht mit einer explosionsfähigen Atmosphäre zu rechnen. Voraussetzung bleibt jedoch, dass die Isopropanolkonzentration im Feuchtwasser unterhalb von 10 % liegt und eine Erwärmung des Feuchtwassers über die Raumtemperatur hinaus sicher vermieden wird.
Vorratsbehälter und Umfüllprozesse
Auch die Lagerung und Handhabung von Isopropanol unterliegt klaren sicherheitstechnischen Anforderungen. Fässer und Kanister müssen aus geeignetem Material bestehen, beispielsweise Metall oder ableitfähigem Kunststoff mit entsprechender Kennzeichnung. Beim Umfüllen ist eine Erdung der Behälter zwingend erforderlich, um elektrostatische Zündquellen auszuschließen.
Umfüllarbeiten sollten nicht in unmittelbarer Nähe der Druckmaschinen stattfinden. Zudem ist auf eine hohe Stand- und Auslaufsicherheit der Behälter zu achten, etwa durch den Einsatz geeigneter Auffangwannen. Ein besonderer Fokus liegt auf der Abdichtung der Einfüllöffnungen, da im Inneren der Behälter grundsätzlich eine explosionsgefährdete Zone vorliegt. Entleerte Behälter sind unverzüglich zu verschließen und aus dem Drucksaal zu entfernen.
Fazit
Brand- und Explosionsgefahren durch Wasch- und Reinigungsmittel sowie durch Isopropanol lassen sich im Offsetdruck durch konsequente Einhaltung technischer und organisatorischer Maßnahmen zuverlässig kontrollieren. Geprüfte Waschmittel mit hohem Flammpunkt, angepasste Sicherheitskonzepte im UV-Druck und eine klare Begrenzung des Isopropanolanteils im Feuchtwasser bilden die Grundlage eines wirksamen Schutzes. Ergänzt durch sachgerechte Lagerung, fachgerechte Umfüllprozesse und kontinuierliche Überwachung entsteht ein Sicherheitsniveau, das den heutigen Anforderungen an einen verantwortungsvollen und regelkonformen Druckereibetrieb entspricht.
Häufige Fragen zum Brand- und Explosionsschutz im Offsetdruck (FAQ)
1. Sind Wasch- und Reinigungsmittel im Offsetdruck brandgefährlich?
Geprüfte Wasch- und Reinigungsmittel mit einem Flammpunkt über 55 °C gelten unter normalen Betriebsbedingungen als nicht leichtentzündlich. Bei sachgemäßem Einsatz besteht in der Regel kein relevantes Brand- oder Explosionsrisiko.
2. Warum ist der Flammpunkt bei Waschmitteln so entscheidend?
Der Flammpunkt gibt an, ab welcher Temperatur sich zündfähige Dampf-Luft-Gemische bilden können. Ein hoher Flammpunkt reduziert die Wahrscheinlichkeit einer Entzündung deutlich und ist daher ein zentrales Kriterium für den sicheren Einsatz im Offsetdruck.
3. Besteht im Offsetdruck eine explosionsfähige Atmosphäre?
Im Normalbetrieb entsteht bei Verwendung geprüfter Betriebsmittel und funktionierender Anlagentechnik keine gefährliche explosionsfähige Atmosphäre. Abweichungen können jedoch bei unsachgemäßem Einsatz oder technischen Mängeln auftreten.
4. Warum gilt der UV-Offsetdruck als sicherheitskritischer?
UV-Trockner erreichen sehr hohe Oberflächentemperaturen und stellen potenzielle Zündquellen dar. In Verbindung mit Lösemitteldämpfen aus Waschprozessen sind deshalb besondere Abschalt- und Absaugmaßnahmen erforderlich.
5. Welche Rolle spielt Isopropanol im Explosionsschutz?
Isopropanol ist leichtentzündlich, wird im Offsetdruck jedoch stark verdünnt eingesetzt. Entscheidend für die Sicherheit ist die Konzentration im Feuchtwasser.
6. Ab welcher Isopropanolkonzentration wird es gefährlich?
Oberhalb von etwa 10 % Isopropanol im Feuchtwasser sinkt der Flammpunkt deutlich. Unterhalb dieser Grenze zeigen Messungen, dass keine gefährliche explosionsfähige Atmosphäre entsteht.
7. Ist alkoholfreier Offsetdruck aus Sicherheitsgründen sinnvoll?
Alkoholfreier oder alkoholreduzierter Offsetdruck kann das Brand- und Explosionsrisiko weiter senken. Ob er technisch sinnvoll ist, hängt jedoch von Maschine, Druckprodukt und Prozessstabilität ab.
8. Müssen Feuchtwasseraufbereitungsgeräte explosionsgeschützt sein?
Die sicherheitstechnische Bewertung hängt von Bauart, Aufstellung und Lüftung ab. In der Regel ist bei sachgemäßem Betrieb und niedriger Isopropanolkonzentration kein explosionsgefährdeter Bereich anzunehmen.
9. Worauf ist bei der Lagerung von Isopropanol zu achten?
Isopropanol muss in geeigneten, gekennzeichneten Behältern gelagert werden. Erdung beim Umfüllen, dichte Verschlüsse und eine sichere Aufstellung sind wesentliche Maßnahmen zur Vermeidung von Zündquellen.
10. Welche Bedeutung hat der Explosionsschutz für die Druckereisicherheit?
Explosionsschutz ist ein zentraler Bestandteil des Arbeitsschutzes im Offsetdruck. Durch geeignete Betriebsmittel, klare Prozesse und regelmäßige Gefährdungsbeurteilungen lassen sich Risiken wirksam und normgerecht beherrschen.