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Explosionsschutz: Zündstoff im Betrieb erkennen und entschärfen

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Kaum sichtbar, oft unterschätzt und dennoch mit zerstörerischem Potenzial: Explosionsrisiken gehören in vielen industriellen und gewerblichen Umgebungen zum Alltag. Chemische Produktionsanlagen, Lackierereien, Getreidemühlen oder auch Handwerksbetriebe sind häufig betroffen. Überall dort, wo leicht entzündliche Stoffe mit Luftsauerstoff zusammentreffen und es zur Entzündung kommt, besteht ein hohes Risiko. Die gesetzlichen Vorgaben für Schutzmaßnahmen sind eindeutig, doch ihre Umsetzung verlangt technisches Verständnis, vorausschauendes Handeln und regelmäßige Kontrolle. Neben technischen Einrichtungen spielen auch organisatorische Maßnahmen und geschultes Personal eine tragende Rolle.

Die Folgen einer Explosion können verheerend sein. Produktionsstillstand, hohe Sachschäden, juristische Auseinandersetzungen oder gar Verletzungen und Todesfälle sind reale Szenarien. Wer diese Gefahrenquelle im Betrieb unterschätzt, handelt fahrlässig. Der Schutz vor Explosionen ist daher nicht nur gesetzliche Pflicht, sondern Ausdruck unternehmerischer Verantwortung. Um die damit verbundenen Gefahren gezielt einzudämmen, braucht es Klarheit über die Ursachen und über technische wie betriebliche Schutzvorkehrungen.

Explosionsschutz

Explosionsgefährdungen im betrieblichen Alltag

Oft sind es ganz alltägliche Prozesse, die unbemerkt ein gefährliches Gemisch entstehen lassen. Beim Umfüllen von Lösungsmitteln, dem Reinigen von Tanks oder beim Mahlen von Getreide können sich Dämpfe oder Staubwolken bilden, die explosionsfähig sind. Ein kleiner Funke reicht, um diese Gemische zu entzünden.

Grundlage jeder Explosion ist das Zusammentreffen dreier Elemente: Brennstoff, Sauerstoff und ein Zündimpuls. Während sich der Luftsauerstoff nicht vermeiden lässt, sind brennbare Stoffe und Zündquellen durchaus kontrollierbar. Trotzdem zeigt sich in der Praxis immer wieder: Mangelndes Problembewusstsein, unzureichende Schutzkonzepte und fehlende Schulungen führen zu gefährlichen Situationen, die mit relativ einfachen Mitteln vermeidbar wären.

Fakt 1: Schon ein Staubkorn kann zur Katastrophe führen

Schon 1 mm Staubschicht auf 1 m² Fläche kann bei Verwirbelung eine explosionsfähige Atmosphäre erzeugen – selbst lebensmittelsicherer Mehlstaub birgt in Mühlen oder Bäckereien ein hohes Explosionsrisiko.

Praxisbezug: Auch in vermeintlich sauberen Produktionsbereichen kann Staub zu einer ernsthaften Gefahr werden – regelmäßige Reinigung ist eine Schutzmaßnahme!

Gesetzliche Regelwerke und technische Anforderungen

In der Europäischen Union sorgt die sogenannte ATEX-Richtlinie für klare Verhältnisse. Die EU-Vorgaben 2014/34/EU und 1999/92/EG bilden die Grundlage für den Umgang mit Geräten in explosionsgefährdeten Zonen sowie für betriebliche Schutzkonzepte. Diese Regelungen werden in Deutschland durch die Betriebssicherheitsverordnung und die Gefahrstoffverordnung ergänzt. Technische Details konkretisieren die TRGS und TRBS-Regelwerke, welche praxisnahe Hinweise zur Umsetzung bieten.

Unternehmen sind verpflichtet, potenzielle Gefährdungen zu analysieren, gefährdete Zonen zu bestimmen und entsprechende Maßnahmen zu treffen. Daraus ergibt sich unter anderem die Notwendigkeit eines sogenannten Explosionsschutzdokuments. Dieses enthält die Bewertung möglicher Risiken sowie eine Darstellung der getroffenen Schutzvorkehrungen. Es ist kein einmaliges Dokument, sondern muss bei jeder Änderung von Prozessen oder Arbeitsstoffen überarbeitet werden.

Räumliche Klassifizierung und Geräteeinsatz

Eine zentrale Rolle spielt die systematische Aufteilung der Betriebsbereiche in sogenannte Zonen. Je nachdem, wie häufig und wie lange eine explosionsfähige Atmosphäre dort auftritt, werden diese in unterschiedliche Klassen eingeteilt. Für Gase und Dämpfe gelten die Zonen 0, 1 und 2; für Stäube die Zonen 20, 21 und 22. In Zone 0 oder 20 ist ständig mit gefährlichen Gemischen zu rechnen – zum Beispiel im Inneren von Tanks oder Mischbehältern. Zone 2 oder 22 beschreibt dagegen Bereiche mit nur kurzzeitiger Belastung.

Geräte, die in diesen Zonen eingesetzt werden, müssen speziell dafür ausgelegt sein. Je nach Schutzprinzip kommen unterschiedliche technische Lösungen zum Einsatz. Beispiele dafür sind die druckfeste Kapselung (Ex d), die Schutzgasfüllung (Ex p) oder die eigensichere Stromführung (Ex i). Diese technischen Lösungen verhindern entweder das Eindringen explosiver Gemische oder schließen eine Entzündung zuverlässig aus. Die Auswahl der passenden Ausrüstung richtet sich nach dem ermittelten Risiko und den örtlichen Gegebenheiten.

Fakt 2: 90 % aller Ex-Zonen entstehen durch menschliche Prozesse

Die meisten explosionsfähigen Atmosphären entstehen nicht durch Undichtigkeiten, sondern durch geplante Vorgänge wie Befüllen, Entleeren, Reinigen oder Umfüllen.

Praxisbezug: Explosionsschutz beginnt nicht nur bei der Technik, sondern beim sicheren Arbeitsablauf – Schulung und Prozessdesign sind entscheidend.

Technische Schutzmaßnahmen und deren Umsetzung

Der technische Schutz lässt sich in drei Stufen unterteilen. Zunächst geht es darum, das Entstehen explosionsfähiger Gemische möglichst zu verhindern. Das gelingt zum Beispiel durch geschlossene Prozesse, Absaugungen oder den Einsatz inerten Gases wie Stickstoff. Diese Maßnahmen werden oft bereits bei der Planung neuer Anlagen berücksichtigt, lassen sich aber auch nachrüsten.

Falls sich gefährliche Atmosphären nicht gänzlich vermeiden lassen, müssen Zündquellen ausgeschlossen werden. Das betrifft elektrische Betriebsmittel, Reibflächen, heiße Oberflächen oder statische Aufladungen. Eine sorgfältige Erdung von Anlagen, regelmäßige Wartung sowie der Einsatz zugelassener Geräte sind hier entscheidend. Falls auch das nicht ausreicht, greifen konstruktive Schutzmaßnahmen, die die Auswirkungen im Falle einer Explosion begrenzen. Dazu zählen Berstscheiben, Flammenfilter oder druckfeste Gehäuse.

Organisation, Kontrolle und Verantwortlichkeiten

Nicht nur Technik schützt. Auch gut strukturierte Abläufe und klare Verantwortlichkeiten sind entscheidend. Wer Arbeiten in gefährdeten Bereichen durchführt, muss geschult und mit den spezifischen Risiken vertraut sein. Unterweisungen, Betriebsanweisungen und regelmäßige Auffrischungen sind dabei unerlässlich.

Wartung und Instandhaltung dürfen nur von qualifizierten Fachkräften übernommen werden. Prüffristen sind gesetzlich vorgeschrieben und müssen dokumentiert werden. Besonders kritisch wird es, wenn neue Substanzen eingesetzt oder bestehende Anlagen verändert werden. In solchen Fällen muss die bestehende Gefährdungsbeurteilung überprüft und gegebenenfalls überarbeitet werden.

Fakt 3: Explosionsschutz ist rechtlich verpflichtend – auch für KMU

Gemäß § 6 der Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV) muss jeder Arbeitgeber ein Explosionsschutzdokument erstellen, sobald eine Ex-Gefahr vorliegt – unabhängig von der Unternehmensgröße.

Praxisbezug: Auch kleine Betriebe mit z. B. Lackierkabinen oder Tanks müssen rechtskonform handeln – Bußgelder und Haftungsrisiken drohen bei Verstößen.

Fazit

Explosionsschutz ist mehr als Technik. Es ist eine Querschnittsaufgabe, die sowohl Fachwissen als auch Organisationstalent erfordert. Die Ursachen für eine Explosion sind meist einfach: ein wenig Staub, ein veraltetes Gerät, ein unbeachteter Funke. Die Folgen hingegen sind oft gravierend und kostenintensiv.

Wer Verantwortung trägt, muss vorausschauen. Betriebe, die gefährliche Gemische erzeugen oder damit arbeiten, sind verpflichtet, Schutzvorkehrungen zu treffen – nicht nur aus juristischer Sicht, sondern zum Schutz von Menschen, Maschinen und Infrastruktur. Gelungene Prävention entsteht aus dem Zusammenspiel von Technik, Organisation und Aufmerksamkeit. Nur dort, wo Risiken ernst genommen und kontinuierlich geprüft werden, lässt sich das Risiko einer Explosion auf ein Minimum reduzieren.

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